Süßstoff-Blog

Ilse Weiß
Diätologin und Gesundheitswissenschaftlerin
ist als Diätologin und Gesundheitswissenschaftlerin an der Universitätsklinik für Innere Medizin in Wien sowie als Lektorin am FH Campus Wien tätig. Seit 2005 führt Sie ihre eigene Praxis. Im Rahmen ihrer Spezialisierung auf die Bereiche Gastroenterologie und Hepatologie beschäftigt sie sich intensiv mit dem Reizdarmsyndrom und ist Mitglied der österreichischen Arbeitsgruppe „FODMAP“.
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16. Aug. 2018
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Süßes beim Reizdarmsyndrom: Süßstoffe machen keine Probleme

Der Nutzen einer FODMAP armen Diät wurde mittlerweile mehrfach in Einzelstudien und wissenschaftlichen Übersichtsarbeiten belegt mit dem Ergebnis, dass bis zu 70% der Reizdarmbetroffenen bei Einhaltung dieser Diät eine Verbesserung ihrer Beschwerden feststellen können. Aufgrund dieser vielversprechenden Daten wurde in Österreich vom Verband der Diätologen 2014 eine Arbeitsgruppe gegründet, welche die Umsetzung der FODMAP armen Diät für Österreich erarbeitet hat und laufend weiterentwickelt.

Starke Blähungen, Stuhlprobleme von Durchfall bis hartnäckiger Verstopfung und Bauchschmerzen: Etwa 20 Prozent aller Österreicher kennen diese Symptome nur allzu gut. Man spricht dabei von einem Reizdarmsyndrom (RDS). Diese Diagnose wird gestellt, wenn nach umfangreicher medizinischer Abklärung keine anderen Ursachen der Beschwerden wie z. B entzündliche Darmerkrankungen, Nahrungsmittelintoleranzen, Darmkrebs, etc. vorliegen. Auch wenn die Ursachen noch nicht ganz geklärt sind: Ein RDS ist nichts, was man sich nur einbildet!
Die Mehrheit der Betroffenen bemerkt, dass die Magen-Darmbeschwerden durch die Nahrungsaufnahme ausgelöst werden. Lange gab es aber kaum eine wissenschaftlich gesicherte Diät, welche die Symptome verbessert.

2008 veröffentlichte ein Team der Monash University in Melbourne, Australien Forschungsergebnisse, die belegten, dass die Form der verzehrten Kohlenhydrate bei RDS eine Rolle als Symptomauslöser spielen.

Jene Kohlenhydrate bzw. Zuckerverbindungen, welche Beschwerden auslösen können, wurden unter den Begriff „FODMAP“ zusammengefasst. Der Begriff steht für Fermentierbare Oligosaccharide (Mehrfachzucker), Disaccharide (Zweifachzucker), Monosaccharide (Einfachzucker) And Polyole (Zuckeralkohole). Zu den Oligosacchariden zählen die Fruktane und die Galaktooligosaccharide. Die Fruktane befinden sich u.a. in einem größeren Teil in glutenhalltigem Getreide (Weizen, Roggen, Gerste) – möglicherweise erklärt dies auch den Erfolg einer glutenfreien Diät bei Darmproblemen – sowie in Hülsenfrüchte, welche auch eine Hauptquelle von den Galaktooligosacchariden sind. Mit den Disacchariden ist der bereits häufig bekannte Milchzucker (Laktose) gemeint, welcher in allen flüssigen und breiigen tierischen Milchprodukten, aber gerne auch in industriell erzeugten Nahrungsmitteln Anwendung findet. In den letzten Jahren hat ebenfalls der Fruchtzucker (Fruktose) vermehrt Einsatz in der Lebensmittelindustrie gefunden. Dieser zählt zu den Monosacchariden und kommt von Natur aus primär in Honig, Agavensirup, Stein- und Kernobst vor.

Eine große Bedeutung kommt den Polyolen, auch als Zuckeralkohole bzw. Zuckeraustauschstoffe bezeichnet zu.

Zu ihnen zählen Sorbit (E420), Mannit (E421), Xylit (E 967), Maltit (E965), Laktit (E966) und Isomalt (E953). Das Vorkommen in der Natur ist begrenzt auf Obst, Gemüse und Pilze, in welchen primär Sorbit enthalten ist. Sorbit ist auch jener Zuckeralkohol, welcher von der Industrie aufgrund seines süßen Geschmacks am häufigsten als künstlicher Zuckeraustauschstoff eingesetzt wird, z. B. in zuckerfreien Kaugummis, zuckerfreien Zuckerl und Light-Produkten, oder als Feuchthaltemittel, z. B. in Mehlspeisen. Mannit wird auch gerne als pharmazeutischer Hilfsstoff (u. a. zur Tablettenherstellung) und als Arzneistoff in der Pharmaindustrie verwendet. Xylit wird u. a. auch aus der Rinde der Birke gewonnen und deshalb auch als Birkenzucker bezeichnet. Er weist einen ähnlichen Geschmack wie Haushaltszucker sowie die gleiche Süßkraft auf und wird aufgrund seines natürlichen Vorkommens auch isoliert in Reformhäusern und teilweise in (Bio-) Supermärkten als kalorienarmer Zucker (knapp 1/3 der Energie von Saccharose) verkauft.

 

Süßstoffen fallen nicht unter die FODMAP`s

Nicht verwechselt werden dürfen die Zuckeraustauschstoffe mit den Zuckerersatzstoffen bzw. Süßstoffen wie Acesulfam-K, Aspartam, Cyclamat, Sucralose, Sacharin, Thaumatin und Stevia bzw. Steviaglycoside. Sie fallen nicht unter die FODMAP`s, genauso wie die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Mengen an Haushalts- bzw. Kristallzucker (Saccharose) und Traubenzucker (Glukose). Somit können Süßstoffe im Rahmen einer FODMAP armen Diät eine willkommene Ergänzung zum süßen Genuss sein.

Allgemein gilt als Grundlage für die Durchführung dieser Form der Ernährungsumstellung eine medizinische Abklärung sowie eine individuelle diätologische Beratung.

Ilse Weiß, Christoph Gasche:  „Ernährung bei Reizdarmsyndrom“

Das Buch „Ernährung bei Reizdarmsyndrom“ informiert über medizinische Hintergründe um unsere Verdauung zu verstehen, beschreibt verständlich neuste Erkenntnisse und erklärt Schritt für Schritt praxisnahe die Durchführung der FODMAP armen Diät inklusive 80 Kochrezepten.

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