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Steviolglycoside "Stevia"

Nach der positiven Sicherheitsbewertung durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) im April 2010 und Januar 2011 hat die Europäische Kommission am 12.November 2011 den Einsatz der Steviolglycoside - umgangssprachlich bekannt als "Stevia" - ab Dezember 2011 genehmigt.

Die Stevia rebaudiana ist eine blattreiche, krautige, subtropische Pflanze, die ursprünglich aus dem Dreiländereck Argentinien, Brasilien und Paraguay stammt. Sie wird aber auch zunehmend im asiatischen Raum angebaut. Die Blätter enthalten süßschmeckende Stoffe, die Steviolglycoside. Die Süßkraft der Steviolglycoside ist ca. 200 - 300 fach höher als die von Zucker.
Steviolglycoside werden in einem mehrstufigen Verfahren (Trocknung, Mazeration, Fällung und Entfärbung, Ionenaustausch und mehrfache Kritallisierung) aus den geernteten Stevia-Blättern isoliert.

Den Antrag, die Pflanze Stevia als "Novel Food" in der EU anzuerkennen, lehnte der Wissenschaftliche Ausschuss für Lebensmittel der Europäischen Kommission (SCF) ab. In seinem Gutachten über die Pflanze Stevia Rebaudiana Bertoni und ihre Blätter erklärte der SCF, dass den eingereichten Informationen die Spezifizierung der getesteten Extrakte und die Standardisierung des gewerblichen Produktes fehle, um Stevia für den Handel zuzulassen. Insbesondere mangele es an Gesundheits- und Sicherheitsstudien. Deshalb verweigerte die Europäische Kommission auch die Zulassung von Stevia für die Vermarktung als Pflanze oder Blätter (Entscheidung vom 22. Februar 2000).

Zeittafel Rückblick von 2011 bis 1887

  • Dezember 2011 Steviolglykoside dürfen in der durch die VERORDNUNG (EU) Nr. 1131/2011 DER KOMMISSION vom 11. November 2011 festgesetzten Mengen in bestimmten Lebensmittelgruppen eingesetzt werden
  • Januar 2011 EFSA veröffentlicht Gutachten über die vermutete tägliche Verzehrmenge von Steviolglykosiden bei bestimmten Lebensmittelgruppen
  • April 2010 EFSA veröffentlicht positive Begutachtung
  • August 2009 Frankreich erteilt befristete Zulassung für Rebaudiosid A
  • August 2008 Provisorische Einzelbewilligungen für Steviol Glykoside in der Schweiz
  • Juni 2008 JECFA erteilt ADI-Wert (4mg/kg KG)
  • April 2007 Cargill kündigt neue toxikologische Studien an
  • Januar 2007 Paraguay erzwingt erneutes JECFA-Gutachten. Fazit: Weitere Studien werden gefordert
  • 2005 Paraguay erteilt lebensmittelrechtliche Zulassung für Steviolglykoside
  • Juni 2004 das Expertenkomitee für Lebensmittelzusatzstoffe der WHO/FAO (JECFA) legt einen vorläufigen ADI-Wert für Steviosid von 0-2 mg pro kg Körpergewicht fest.
  • 2000 Einstieg von Cargill in die Thematik Stevia
  • 1999 das SCF lehnt die Zulassung als Süßungsmittel ab, da die Datenlagen nicht ausreichend ist
  • 1998 erstes Gutachten des JECFA-Ausschußes zu Steviosid auf Antrag von Ägypten. Fazit: keine ausreichenden Studien.
  • 1997 weitere japanische Krebsstudie, die ebenfalls vom SCF kritisiert wird.
  • 1985 erste japanische Krebsstudie, die vom Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuß (SCF) der EU-Kommision kristisiert wird
  • 1983 die EU Kommission beauftragt ein Gutachten zu allen Süßstoffen, u.a. auch zu Steviosid.
  • Fazit: zu wenig Studien, die die Unbedenklichkeit belegen. Wird deshalb zur Zulassung nicht vorgeschlagen.
  • 1982 Steviosid steht u.a. auf der “Wunschliste” des Internationalen Süßstoffverbandes für die künftige gemeinsame “Süßstoffliste”.
  • Anfang der 80er Jahre beginnt die EU mit den Vorbereitungen zum gemeinsamen Binnenmarkt und zur Harmonisierung der Lebensmittelgesetzgebung.
  • 1977 erste Anfragen von japanischen Firmen in Deutschland zur Inverkehrbringung
  • Seit 1974 erste Produkte in Japan auf dem Markt
  • 1969 bis 1972 japanische Expeditionen, die nahezu den gesamten Wildpflanzenbestand von Stevia rebaudiana nach Japan mitnehmen. Konsequenz = Stevia rebaudiana ist in Paraguay als Wildpflanze praktisch ausgestorben
  • 1968 in Paraguay kommt das weltweit erste Produkt auf den Markt (Tabletten aus Blättern)
  • 1908 erster Anbau in Paraguay
  • 1887 macht der Naturforscher Moises Bertoni die Pflanze bekannt