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Studie zum Einfluss von Süßstoffen auf die Darmflora hat keine Praxisrelevanz

23.09.2014 | Aktuelles

Die von den israelischen Wissenschaftlern vorgelegte Studie „Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gutmicrobiota“ basiert größtenteils auf Tierversuchen und auf einer sehr kleinen Gruppe von Personen und lässt sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen. Im Gegenteil, aus Untersuchungen an Mäusen bzw. 7 Probanden solche weitreichenden Schlüsse zu ziehen, ist aus wissenschaftlicher Sicht nicht akzeptabel. Dieses Studiendesign kann allerhöchstens den Stellenwert einer Hypothesengenerierung einnehmen.

Süßstoffe sind hilfreich – auch für Diabetiker

Hingegen gibt es zahlreiche wissenschaftlich fundierte Studien, wie z.B. die erst kürzlich erschiene Meta-Anlayse von Perez et al., die zeigen, dass Süßstoffe bei der Gewichtsregulierung helfen können. Die verfügbaren Befunde aus 15 randomisierten Studien - solche Studien gelten in der Wissenschaft als „Goldstandard" -  zeigen, dass Süßstoffe dazu beitragen können, Körpergewicht, Fettmasse und Taillenumfang zu reduzieren.

Es gibt keine wissenschaftiche Studie, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Süßstoffkonsum und einem erhöhten Risiko für Diabetes zeigt. Im Gegenteil, dass sich Süßstoffe im Blut wie Wasser verhalten, wurde ebenfalls bereits vielfach nachgewiesen, zuletzt noch von Wissenschaftlern der University of  Adelaid (Australien). Sie untersuchten, wie Blutzucker-, Insulinspiegel, Gesamt- GLP-1 (Hormon im Zuckerstoffwechsel) und Magenentleerung auf die Aufnahme von Süßstoffen im Vergleich zu Wasser und Zucker reagieren. Dazu untersuchten die australischen Wissenschaftler zehn gesunde Männer jeweils viermal in einer single-blind randomisierten Studie.

Die Probanden bekamen entweder 240 ml pures Wasser oder Wasser gesüßt mit Süßstoff. Zudem wurden zuckerhaltige Kontrollproben gegeben. Die Messungen zu Blutzucker, Plasmainsulin, Gesamt-GLP-1 und Magenentleerung zeigten, dass es nur nach der Einnahme der Zuckerlösung zu Anstiegen der Parameter kam, nicht aber nach Wasser- oder Süßstoffkonsum.

 

Mäuse sind keine Menschen

Die Weizmannstudie wurde schwerpunktmäßig an Mäusen durchgeführt. Dazu muss man wissen, dass der Stoffwechsel von Maus und Mensch unterschiedlich ist. So liegen die Stoffwechselumsätze bei der Maus viel höher als beim Menschen. Auch die Zusammensetzung der Kost unterscheidet sich in Bezug auf die Relationen der Makronährstoffe. Die Maus benötigt im Gegensatz zum Menschen eine stark fettbetonte Ernährung.

Darüber hinaus ist die Versuchsanordnung nicht auf den Menschen übertragbar und spiegelt daher nicht die Realität wieder. So wurden die Mäuse zum Teil mit kalorienarmen Süßstoffen in Reinform gefüttert, d.h. einer Form, die nur schwerlich für Menschen verfügbar ist. In einem anderen Experiment wurde bei einigen Mäusen der Darm durch Antibiotika keimfrei gemacht, ein Szenario, das nahezu unmöglich für Menschen außerhalb einer medizinischen Einrichtung ist. Wichtigster Faktor aber: die menschliche Mikrobiota ist individuell geprägt. Ergebnisse aus Mäuseversuchen sind deshalb mit größter Vorsicht zu interpretieren.

 

Unrealistisch: 90 Süßstofftabletten pro Tag

Der Teil der Studie, der an Menschen durchgeführt wurde, weist ebenso starke Mängel auf, wie die Tierexperimente. So wurden lediglich 7 gesunde Probanden untersucht, die fast alle das gleiche Alter hatten und damit nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung und noch viel weniger für Diabetiker oder Adipositaspatienten sind. Zudem fehlt eine Kontrollgruppe, die eine mögliche Entwicklung unter normalen Bedingungen zeigt.

In Vorversuchen hatten die Wissenschaftler beim Einsatz von Aspartam und Sucralose nur geringe Effekte auf die Darmflora finden können und bedienten sich daher bei den Folgeversuchen ausschließlich des Süßstoffs Saccharins. Dies geht weder aus dem Titel der Arbeit hervor, noch nimmt es Einfluss bei der Interpretation der Ergebnisse. Die im Versuch verabreichten Süßstoffmengen lagen zudem weit über den üblichen Verzehrsmengen. Hier wurden umgerechnet auf den eingesetzten Süßstoff Saccharin eine Menge von rund 90 Süßstofftabletten pro Tag eingesetzt.

Abschließend ist zu sagen, dass die Ergebnisse insgesamt auf unrealistischen Gegebenheiten beruhen und daher nicht verallgemeinert werden können, weder auf die Bevölkerung, noch auf sämtliche Süßstoffe.

 

Artificial sweeteners induce glucose intolerance by altering the gutmicrobiota, Jotham Suez, Tal Korem, David Zeevi, Gili Zilberman-Schapira, Christoph A. Thaiss, Ori Maza, David Israeli,Niv Zmora, Shlomit Gilad, Adina Weinberger, Yael Kuperman, Alon Harmelin, Ilana Kolodkin-Gal, Hagit Shapiro, Zamir Halpern, Eran Segal, Eran Elinav, Nature (2014), doi:10.1038/nature13793

 

Low-calorie sweeteners and body weight and composition: a meta-analysis of randomized controlled trials and prospective cohort studies, Miller and Perez, Am J Clin Nutr. 2014 Sep;100(3):765-77. doi: 10.3945/ajcn.113.082826. Epub 2014 Jun 18.

 

Artificial Sweeteners Have No Effect on Gastric Emptying, Glucagon-Like Peptide-1, or Glycemia After Oral Glucose in Healthy Humans. Tongzhi Wu, Michelle J. Bound, et al Diabetes Care December 2013 vol. 36 no. 12 e202-e203

 

Zur Stellungnahme des internationalen Süßstoff Verbandes (ISA)

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