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Neue Studie belegt: Übergewichtige, Diabetiker und Schlaganfallpatienten konsumieren häufig Süßstoffe

28.07.2017 | Aktuelles

Die Schlussfolgerungen einer neuen systematischen Überprüfung durch Azad et al.[1], dass Süßstoffe mit dem Risiko von Gewichtszunahme und Herzerkrankungen verbunden sein könnten, sind nur schwer nachvollziehbar.

Beobachtungskohortenstudien – wie von Azad et al herangezogen - können keine Beweise liefern, da sie systematischen Fehlern, sogenannten Verzerrungen, unterliegen und umgekehrte Kausalität nicht ausgeschlossen werden kann, d.h. es ist nicht eindeutig belegbar was Ursache und was Wirkung ist.

Genau genommen gibt es keine einzige veröffentlichte randomisierte kontrollierte Studie - der Goldstandard in der Ernährungsforschung - die gezeigt hat, dass die Verwendung von Süßstoffen zu Gewichtszunahme oder negativen Auswirkungen auf die Gesundheit führen könnte.

Bei den meisten Beobachtungsstudien dämpft oder verringert die Anpassung von adipositasbezogenen Variablen zudem die beobachteten Zusammenhänge und führt nicht mehr zu signifikanten Zusammenhängen.[4] Überraschenderweise führen zudem die Auswahlkriterien für die Meta-Analyse von RCTs in dieser Studie zum Ausschluss mehrerer gut konzipierter klinischer Studien, die in einer vorherigen, gründlichen systematischen Prüfungen und Meta-Analyse von Rogers et al.[3] einbezogen waren.

 

Was die Veröffentlichung von Azad et al. lediglich zeigt ist, dass einige Beobachtungsstudien ergeben haben, dass übergewichtige oder adipöse Menschen und Personen mit Diabetes oder kardiometabolischen Gesundheitsproblemen, die häufig mit Übergewicht einher gehen, häufiger Süßstoffe verwenden. Dies geschieht jedoch möglicherweise als Versuch und als eine Strategie, ihre Kalorienzufuhr und ihren Zuckerkonsum zu senken, was bei diesen Gesundheitszuständen eine gängige Ernährungsempfehlung ist.

Um einen Kausalzusammenhang zwischen Süßstoffkonsum und Übergewicht nachzuweisen, ist eine randomisierte kontrollierte Studie erforderlich. Das ist das einzige Studiendesign für Humanstudien mit dem Ursache und Wirkung aufgezeigt werden können. Im Fall der Wirkung von Süßstoffen auf das Körpergewicht weisen die Ergebnisse von RCTs eindeutig und konsistent auf einen Vorteil der Verwendung von Süßstoffen bei der Gewichtsreduktion und dem Halten des Gewichts hin.[2],[3] Studien über einen längeren Zeitraum haben zudem einen höheren Gewichtsverlust und bessere Gewichtskontrolle durch die Verwendung von Süßstoffen belegt.[5],[6]

 

Quellenangaben:  

 

  1. Azad M., Abou-Setta AM., Chauhan BF., et al. Nonnutritive sweeteners and cardiometabolic health: a systematic review and meta-analysis of randomised controlled trials and prospective cohort studies. Canadian Medical Association Journal, July 2017; 189: E929-39
  2. Miller PE, Perez V. Low-calorie sweeteners and body weight and composition: a meta-analysis of randomized controlled trials and prospective cohort studies. Am J Clin Nutr 2014; 100: 765-77.
  3. Rogers PJ, Hogenkamp PS, de Graaf C, et al. Does low-energy sweetener consumption affect energy intake and body weight? A systematic review, including meta-analyses, of the evidence from human and animal studies. Int J Obes (Lond) 2016; 40: 381-94.
  4. Romo-Romo A., Aguilar-Salinas CA, Gomez-Diaz RA., et al. Non-nutritive sweeteners: Evidence on their association with metabolic diseases and potential effects on glucose metabolism and appetite. Rev Invest Clin. 2017 May-Jun; 69(3): 129-138
  5. Blackburn GL, Kanders BS, Lavin PT, et al. The effect of aspartame as part of a multidisciplinary weight-control program on short- and long-term control of body weight. Am J Clin Nutr 1997; 65: 409-18
  6. Peters JC, Beck J, Cardel M, et al. The effects of water and non-nutritive sweetened beverages on weight loss and weight maintenance: a randomized clinical trial. Obesity (Silver Spring) 2016; 24: 297-304

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