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Angeblicher Mechanismus für Behauptung, dass Aspartam einen Gewichtsverlust verhindern könnte ist nicht plausibel

09.12.2016 | Aktuelles

In der Veröffentlichung in Applied Physiology, Nutrition und Metabolism (1) versuchen Forscher des Massachusetts General Hospital zu erklären, warum Aspartam einen Gewichtsverlust nicht fördern kann. Zur Erklärung ziehen sie dabei allerdings einen nicht plausiblen Mechanismus heran und verschweigen, dass es nur sehr wenige meist methodisch anfechtbare Arbeiten sind, die ihre Hypothese stützen. Sie vernachlässigen zudem, dass im Gegenteil, fundierte klinische Studien am Menschen vorliegen, die die hilfreiche Rolle beim Gewichtsmanagement von Süßstoffen, wie Aspartam zeigen.

Die vorliegende Arbeit behauptet, dass das Aspartamabbauprodukt Phenylalanin, die Wirkung eines Enzyms stört, das das metabolische Syndrom zu verhindern scheint. Was die Autoren nicht in ihrer Pressemitteilung (2) vom Massachusetts General Hospital erwähnen ist, dass Phenylalanin eine natürlich vorkommende Aminosäure ist, die in Fleisch, Fisch, Eiern, Hülsenfrüchten, Milchprodukten, Nüssen und anderen Lebensmitteln vorkommt.

Aspartam ist ein Molekül, mit einer einfachen Struktur. Es besteht aus einem Dipeptid mit zwei Aminosäuren, Asparaginsäure und Phenylalanin (3). Nach der Aufnahme wird Aspartam schnell in seine Hauptkomponenten und eine geringe Menge an Methanol (4) aufgespalten. Es ist gut dokumentiert, dass sowohl Asparaginsäure als auch Phenylalanin dabei in der gleichen Form vorliegen, wie bei der Verdauung aus natürlichen Nahrungsquellen wie Fleisch oder Milchprodukte (5). Wichtig ist zudem, dass die Mengen an Phenylalanin aus dem Aspartamabbau viel niedriger sind als jene, die aus vielen anderen natürlichen Nahrungsquellen gewonnen werden. Zum Beispiel liefern 100 g Hühnchenfleisch eine 12,5-fach höhere Menge an Phenylalanin als ein süßstoffgesüßter Softdrink.

 

Beispiel

Gehalt an Phenylalanin in mg/100 g

Haferflocken

780

Avocados

111

Rinderfilet

1.000

Walnüsse

660

Linsen

1.400

 

1 Liter eines marktüblich mit Aspartam gesüßten Getränks enthält zwischen 100 und 200mg Phenylalanin.

 

 

 

 

 

 

Die Autoren der Studie ziehen für ihre Auswertung nur zwischen drei und vier Messungen heran, obwohl für eine statistische Aussage mindestens fünf Messwerte erforderlich wären. Die Aussagen dieser Arbeit, die auf der Grundlage der Forschung an Mäusen getätigt werden, können außerdem nicht ohne Weiteres auf den Menschen, der in der Realität weitaus mehr  Lebensmittel mit einem viel höheren Gehalt an der Aminosäure Phenylalanin aufnimmt, übertragen werden. Hinzukommt, dass es sich bei Phenylalanin um eine lebensnotwendige Aminosäure handelt, die dem Körper in großem Masse zur Verfügung gestellt werden muss. Umso unverständlicher erscheint dabei, dass hier eine Methode zur Umrechnung der Aufnahmemenge von Maus zu Mensch angewendet wird, die sich auf toxische Stoffe bezieht und daher bei einer natürlichen Substanz wie Phenylalanin nicht gerechtfertigt ist. Vielmehr sollte hier die Umrechnung anhand des Körpergewichts erfolgen. Für einen 60 kg schweren Menschen würde das hochgerechnet aus dem Mäuseversuch folglich einer Aufnahme der unrealistischen Menge von über 20 Litern (!) eines mit Aspartam gesüßten Getränks bedeuten.

 

Wissenschaftliche Beweise zeigen zudem, dass die Verwendung von Süßstoffen anstelle von Zucker, sowohl bei Kindern und Erwachsenen, tatsächlich zu einer reduzierten Energieaufnahme führt und das Körpergewicht positiv beeinflussen kann (7).

 

(1) Gul SS, Hamilton ARL, Munoz AR, et al. Inhibition of the gut enzyme intestinal alkaline phosphatase may explain how aspartame promotes glucose intolerance and obesity in mice. Applied Physiology, Nutrition, and Metabolism, 2016; DOI: 10.1139/apnm-2016-0346

(2 ) www.sciencedaily.com/releases/2016/11/161122193100.htm

(3) European Food Safety Authority. Scientific Opinion on the re-evaluation of aspartame (E 951) as a food additive. EFSA J. 2013;11:3496. doi:10.2903/ j.efsa.2013.3496.

(4) Magnuson BA, Burdock GA, Doull J, et al. Aspartame: a safety evaluation based on current use levels, regulations, and toxicological and epidemiological studies. CRC Crit Rev Toxicol. 2007;37:629–727.

(5) Butchko HH, Stargel WW, Comer CP, et al. Aspartame: review of safety. Regul Toxicol Pharmacol. 2002;35:S1–S93

(6 ) Magnuson BA, Carakostas MC, Moore NH, et al. Biological fate of low-calorie sweeteners. Nutrition Reviews 2016; 74(11): 670-689 

(7) Rogers PJ, Hogenkamp PS, de Graaf K, et al. Does low-energy sweetener consumption affect energy intake and body weight? A systematic review, including meta-analyses, of the evidence from human and animal studies. Int J Obes 2016; 40(3): 381-94  

Bildnachweis:
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