Zwischen Erfolg und Meinungsmache: Süßstoff-Geschichte

Der Süßstoff Thaumatin, der erst 1994 mit der EU-Süßstoff-Richtlinie (94/35/EG) in Europa eine gewisse Bedeutung erhalten hat, ist am längsten bekannt. Schon 1855 beschrieb der britische Afrika-Reisende Danielli den besonderen süßen Geschmack der westafrikanischen Katemfe-Frucht (Thaumatococcus), aus deren Samenmantel er gewonnen wird. Seit 1998 ist der Süßstoff auch in Deutschland zugelassen.

Landläufig wird aber dem Saccharin das Attribut „ältester Süßstoff“ zugeschrieben. Per Zufall wurde es 1878 von Constantin Fahlberg entdeckt. 20 Jahre später gab es in Deutschland die erste gesetzliche Zulassung für Süßstoff. Doch schon 1902 wurde das Saccharin wieder verboten, weil es mit einer Jahresproduktion von 175.000 Kilogramm zum konkurrierenden Wirtschaftsfaktor geworden war und die Bismarck-Regierung die Zucker-Interessen stützen wollte.

Rund 50 Jahre nach Saccharin wurde Cyclamat von den Wissenschaftlern Sveda und Audrieth zufällig entdeckt. Eigentlich waren sie in den Labors der Universität Illinois auf der Suche nach einem neuen fiebersenkenden Mittel. 1950 kam dieser zweite Süßstoff in den USA auf den Markt. 1959 sprachen alle Erkenntnisse dafür, Cyclamat in die so genannte „GRAS-Liste“ aufzunehmen, es also ohne Einschränkung als sicher einzustufen.

Zehn Jahre später geriet Cyclamat in eine kontroverse Diskussion. In Deutschland und zahlreichen anderen Ländern wurde Cyclamat voll rehabilitiert. Aber u.a. in den USA bewirkte die zeitweilige Verunsicherung, dass dem beliebten Süßstoff die Zulassung entzogen wurde. Allerdings hat das „Cancer Assessment Committee“ der Lebens- und Arzneimittelbehörde in den USA Cyclamat bereits 1984 offiziell vom Krebsverdacht freigesprochen. Es bleibt demnach abzuwarten, wann Cyclamat von der FDA wieder erlaubt wird.

Den Süßstoff Aspartam entdeckte der Amerikaner James Schlatter im Jahr 1965. Nachdem die umfangreichsten Forschungsunterlagen, die jemals für die Zulassung eines Lebensmittelzusatzstoffs eingereicht worden waren, eine eingehende Prüfung durch die Zulassungsbehörden absolviert hatten, konnte Aspartam Anfang der 80er Jahre seinen Markterfolg starten. In Deutschland ist es seit 1990 umfassend zugelassen.

Schon im Jahre 1963 wurde Neohesperidin DC von Horowitz und Gentili entdeckt. Das Herstellungsverfahren wurde von George Inglett entwickelt und seit 1998 ist Neohesperidin DC offiziell zugelassen.

Ein Zufallstreffer des Wissenschaftlers Karl Claus im Jahr 1967 ist Acesulfam. Die erste süß schmeckende Verbindung, auf die Clauß stieß, war allerdings nicht das Acesulfam in seiner heutigen Form, sondern ein verwandter Stoff. Durch Vergleichsuntersuchungen, mit denen man solchen Zufallsentdeckungen wissenschaftlich auf den Grund geht, stieß man schließlich auf die Substanz mit den günstigsten Eigenschaften, das Acesulfam.

Sucralose – 1976 entdeckt – ist der erste Süßstoff, der aus Zucker hergestellt wird und seit 1998 schon in den USA zugelassen ist. Seit 2004 darf Sucralose auch in Deutschland angewandt werden.

Aspartam-Acesulfam-Salz wurde im Jahr 1995 entdeckt und zusammen mit Sucralose für den deutschen Markt zugelassen.


Alleine in Europa haben Süßstoffe heute einen berechtigten Platz in den täglichen Ernährungsgewohnheiten von mehr als 100 Millionen Verbrauchern.