Süßstoffe in der Ernährung von Kindern
Die Vorliebe für den süßen Geschmack ist angeboren. Deshalb lieben Kinder Süßigkeiten. Süße Lebensmittel zu verbieten, wäre sicherlich der falsche ernährungspädagogische Weg. Allerdings sollten Eltern ihre Kinder dazu anleiten, Speisen und Getränke nicht übermäßig zu süßen und die natürliche Süße von Obst und Säften zu genießen.Wenn es aber ohne Süßen nicht geht, wie etwa bei Limonaden oder Kaugummis, dann können auch Kinder von den Süßstoff-Varianten dieser Produkte profitieren. Gegenüber zuckerhaltigen Süßigkeiten bieten sie den Vorteil, dass sie nicht den Zähnen schaden und auch den „Babyspeck“ nicht wachsen lassen. Wissenschaftler der Harvard School of Public Health stellten einen engen Zusammenhang zwischen dem Konsum gesüßter Getränke und Übergewicht bei Kindern fest. An der Studie nahmen 548 Kinder im Alter zwischen elf und zwölf Jahren teil. Die Kontrollerhebungen und Untersuchungen nach 19 Monaten belegten: Je mehr mit Zucker gesüßte Getränke von Kindern konsumiert wurden, umso mehr nahmen die Kinder zu – unabhängig von ihren sonstigen Verzehrsgewohnheiten. Kinder, die ihren Getränkebedarf mit Wasser und/oder süßstoffgesüßten Produkten gedeckt hatten, entwickelten dagegen kein Übergewicht.
Süßstoffe sind auch für Kinder gesundheitlich zuträglich, wenn sie – wie alles – in Maßen verzehrt werden. Wie viel Süßstoff ein Kind täglich unbedenklich aufnehmen kann , lässt sich mit den ADI-Werten (ADI = Accectable Daily Intake) ausrechnen. Sie bezeichnen die Menge eines Zusatzstoffes in Milligramm pro Tag und pro Kilogramm Körpergewicht, die ohne Bedenken über die gesamte Lebenszeit aufgenommen werden kann. Es handelt sich hierbei nicht um einen Grenzwert, der die Verträglichkeit oder gar die Toxizität definiert, es ist vielmehr eine Art Sicherheitsgarantie, die auf den täglichen, lebenslangen Konsum ausgerichtet ist. Da sich die ADI-Werte auf das Körpergewicht beziehen, sind die zuträglichen Konsummengen für Kinder allerdings niedriger als für einen Erwachsenen. Bei der Erstellung der ADI-Werte wurde ein 100-facher Sicherheitszuschlag einkalkuliert, der speziell empfindliche und besonders schutzbedürftige Verwender wie Kinder, Kranke oder ältere Personen berücksichtigt.
In nachfolgender Tabelle sind die Mengen der einzelnen Süßstoffe angegeben, die Personen mit entsprechendem Körpergewicht ein Leben lang jeden Tag bedenkenlos aufnehmen dürfen. Außerdem ist der Tabelle zu entnehmen, welche Menge Zucker dadurch ersetzt werden kann.
Erreichbare Zuckeräquivalente* im Rahmen der ADI-Werte
| Täglicher ADI-Wert pro kg Körpergewicht | Acesulfam (9 mg) | Aspartam (40 mg) | Cyclamat (7 mg) | Saccharin (5 mg) | Neohesperidin DC (5 mg) | Sucralose (15 mg) |
| Kleinkind (15 kg) | 135 mg | 600 mg | 105 mg | 75 mg | 75 mg | 225 mg |
| = Zuckeräquivalent | 27 g | 120 g | 3,6 g | 41 g | 45 g | 135 g |
| Kind (30 kg) | 270 mg | 1.200 mg | 210 mg | 150 mg | 150 mg | 450 mg |
| = Zuckeräquivalent | 54 g | 240 g | 7,4 g | 82 g | 90 g | 270 g |
| Kind (45 kg) | 405 mg | 1.800 mg | 315 mg | 225 mg | 225 mg | 675 mg |
| = Zuckeräquivalent | 81 g | 360 g | 11 g | 123 g | 135 g | 405 g |
| Erwachsener (70 kg) | 630 mg | 2.800 mg | 490 mg | 350 mg | 350 mg | 1.050 mg |
| = Zuckeräquivalent | 126 g | 560 g | 17 g | 193 g | 210 g | 630 g |
*) Der Begriff „Zuckeräquivalent“ bezeichnet die Menge an Zucker, die eingesetzt werden muss, um dieselbe Süßkraft zu erzielen, wie sie die angegebene Süßstoffmenge erzeugt.
Der natürliche Süßstoff Thaumatin ist nach langer Prüfung auch in hohen Dosen als absolut sicher erklärt worden, daher wurde kein ADI-Wert festgelegt.
Der ADI-Wert für Aspartam-Acesulfam-Salz ergibt sich aus den beiden ADI-Werten von Aspartam und Acesulfam.
Es ist wichtig, schon in der Kindheit einer Über- oder Fehlernährung vorzubeugen. Kinder essen häufig zu viel, zu fett und zu süß. Dabei kommen Lebensmittel mit einem ausreichend hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen auf dem Speiseplan zu kurz. Zusätzlich mangelt es vielen Kindern an sportlicher Bewegung. Deshalb leiden bereits Kinder oft an Übergewicht, auch wenn sie relativ viel Energie für ihr Wachstum und ihre Entwicklung benötigen. Eltern sollten daher grundsätzlich die Ernährung ihrer Kinder im Auge behalten und z.B. eine Gewöhnung an einen übermäßig süßen Geschmack vermeiden. Bei Kindern, die zu Übergewicht neigen, bilden eine ausgewogene Mischkost und ein gelegentlicher Verzehr von süßstoffgesüßten Produkten, zusammen mit viel Bewegung, eine gute Basis für ein gesundes Leben.
Literatur:
(1) Ludwig et al., Relation between consumption of sugar-sweetened drinks and childhood obesity: a prospective, observational analysis, The Lancet, Vol. 375/2001, S. 505–508
(2) Ditscherlein E., Lentze M.J.; 1996: Geschmacksempfindung und -entwicklung im Kindesalter. Monatsschrift der Kinderheilkunde 144, S. 177–183
